Was ist der Unterschied zwischen c(t)DNA und c(f)DNA und warum ist eine Differenzierung wichtig für die Befundinterpretation?
Die untersuchte zellfreie DNA (cfDNA) umfasst sowohl tumorassoziierte zirkulierende Tumor-DNA (ctDNA) als auch nicht-tumorassoziierte cfDNA. Der relative Anteil der ctDNA an der Gesamt-cfDNA ist präanalytisch nicht bestimmbar und kann in Abhängigkeit von Tumorbiologie, Tumorlast, Therapiesituation sowie individuellen Faktoren wie BMI oder Autoimmunerkrankungen erheblich variieren.
Die angegebene VAF bezieht sich daher ausschließlich auf die Gesamt-cfDNA in der untersuchten Probe und erlaubt keine direkte Aussage über den absoluten ctDNA-Anteil.
Bei einer geringeren DNA-Eingangsmenge (< 3.000 amplifizierbare Kopien), bei stark vermindertem ctDNA-Anteil oder bei präanalytischer Beeinträchtigung der Probe kann die Erreichung der validierten analytischen Sensitivität nicht gewährleistet werden. In solchen Fällen sind falsch-negative Ergebnisse nicht auszuschließen.
Es gilt:
Eine hohe analytische Sensitivität (LoD=0.1% VAF)
→ erhöht die Wahrscheinlichkeit, niedrige ctDNA-Anteile zu detektieren,
→ eliminiert jedoch nicht das Risiko falsch-negativer Ergebnisse, wenn die absolute Menge an ctDNA unterhalb der stochastischen Nachweisgrenze liegt.
Physikalisch betrachtet bewegen wir uns bei solch niedrigen Kopienzahlen im Bereich der Poisson-Statistik welche besagt:
Wenn nur sehr wenige mutierte Moleküle im Input vorhanden sind, kann selbst eine technisch perfekte Methode sie zufällig nicht erfassen.
Stellen Sie sich ein Glas mit 10.000 gelben Linsen vor (diese stehen für die gesamt cfDNA in einer Probe). Jetzt geben Sie in dieses Glas 10 schwarze Linsen hinzu (diese stehen für die mutierten ctDNA Moleküle der Probe) und rühren kräftig. Jetzt ziehen Sie mit einem Messbecher 3.000 Linsen aus dem Glas. Würden Sie 100€ verwetten, dass Sie genau 3 schwarze Linsen ziehen? Vermutlich nicht. Tatsächlich ist es mathematisch so, dass sie laut Poisson in 5% der Fälle in denen Sie einen Ziehversuch durchführen sogar 0 mutierte Linsen ziehen würden.
Die analytische Sensitivität ist daher nicht gleichzusetzen mit der klinischen Sensitivität der Untersuchung und eine Verwendung der Liquid Biopsy als Verlaufskontrolle auf der Ebene der VAF, daher wenig Sinnvoll.